Editorial 3/2001


Mit der vorliegenden sechsten Ausgabe der zfwu zum Thema "Nachhaltigkeit" beschließen wir den zweiten Jahrgang und möchten uns bei allen Leserinnen und Lesern für das steigende Interesse und das Vertrauen bedanken. Gleicher Dank gilt auch den diesjährigen Autorinnen und Autoren, den Gutachterinnen und Gutachtern sowie all denen, die uns darin unterstützt haben, die Qualität der Zeitschrift sicher zu stellen. Die wachsende Nachfrage, die sich insbesondere durch eine starke Zunahme unserer Abonnentenzahl in diesem Jahr widerspiegelt, zeigt, dass die zfwu als wissenschaftliche Fachzeitschrift zur Wirtschafts- und Unternehmensethik ein willkommenes Forum zur interdisziplinären Auseinandersetzung mit dem Themengebiet darstellt. Zur besseren Orientierung haben wir am Ende dieses Heftes ein komplettes Jahresregister der Jahrgänge 2000 und 2001 mit allen Beiträgen, Korreferaten, Rezensionen, Dissertationsprojekten etc. in chronologischer Reihenfolge angefügt.

Das Thema "Nachhaltigkeit" wird seit vielen Jahren aus Sicht verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen kontrovers diskutiert und hat darüber hinaus in der politischen und unternehmerischen Praxis oftmals eine Leitbildfunktion übernommen. Dass neben der ökonomischen Dimension des Begriffs Nachhaltigkeit auch zahlreiche ethische und soziale Fragestellungen aufgeworfen werden, zeigt, dass es sich hierbei auch um eine wirtschafts- und unternehmensethische Problemstellung handelt. Ziel dieser Ausgabe ist es, einen Ausschnitt der aktuellen Nachhaltigkeits-Diskussion einzufangen und sowohl theoretische als auch praktische Lösungsansätze aufzuzeigen. Wie in der zfwu üblich, werden die meisten Beiträge durch Korreferate kritisch kommentiert.

Den Auftakt macht Klaus Michael Meyer-Abich mit dem Hauptbeitrag "Nachhaltigkeit - ein kulturelles, bisher aber chancenloses Wirtschaftsziel", in dem er den Gegensatz von schwacher und starker Nachhaltigkeit in seinem Konzept der wirtschaftskulturellen Nachhaltigkeit zu überwinden sucht und daraus einen konkreten praktischen Vorschlag ableitet. Werner Theobald nimmt zu diesem Entwurf kritisch Stellung.

In ihrem Beitrag "Nachhaltigkeitskonzepte" greifen auch Ralf Döring und Konrad Ott die Diskussion um schwache versus starke Nachhaltigkeit auf und argumentieren für eine modifizierte Position starker Nachhaltigkeit, die sie detailliert theoretisch bestimmen und aus der sie abschließend praktische Konsequenzen entwickeln. Eine kurze Kritik stammt aus der Feder von Frank Jöst.

Anschließend diskutiert Bernd Siebenhüner pointiert die relevanten Menschenbilder, die den theoretischen Nachhaltigkeitskonzeptionen zugrunde liegen (können) und nimmt eine Beurteilung vor. Dieser Beitrag wird von Thomas Petersen kritisch kommentiert. Die von Marc Hübscher und Martin Müller gestellte Frage "Wo bleibt das Individuum in der Nachhaltigkeitsdebatte?" soll auf ein Desiderat hindeuten, dass die Autoren mithilfe der Integrativen Ethik von Hans Krämer zu füllen beabsichtigen.

In der Rubrik "Ideenforum" untersucht Michael Aßländer den Wandel des Arbeitsbegriffs in seiner moralischen und sozialen Bedeutung von der Antike bis heute und will damit zu einem besseren Verständnis der Rolle von Arbeit sowie dem Problem der Arbeits-Losigkeit in unserer (post) modernen Gesellschaft beitragen. Annette Barkhaus formuliert in ihrem Korreferat kritische Einwände zu diesem Text.

Bezogen auf den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe beschreibt der Praxisbeitrag von Tell Münzig (SustainAbility, London) die Bedeutung des Nachhaltigkeitskonzeptes aus Sicht der Beratungs- und Unternehmenspraxis.

Wie in jedem Heft, finden Sie auch hier die Vorstellung eines aktuellen Dissertationsprojektes. Bernhard Waxenberger stellt seine vor kurzem im Haupt Verlag erschienene Arbeit zum "Integritätsmanagement" vor und beantwortet im Anschluss dazu einige Fragen der Redaktion.

Wir möchten an dieser Stelle noch auf zwei Neuerscheinungen der "Schriftenreihe für Wirtschafts- und Unternehmensethik (sfwu)" hinweisen: Stefan Kyora behandelt in seiner Arbeit "Unternehmensethik und korporative Verantwortung" (sfwu, Band 3) vorwiegend terminologische Unterscheidungen, rechtliche Regelungen und praktische Konsequenzen korporativer Verantwortung, während Alexander Brink in seiner soeben erschienen Studie "VBR Value-Based-Responsibility" (sfwu, Band 4) einen theoretischen Ansatz zur Integration ethischer Aspekte in die wertorientierte Unternehmensführung entwickelt.

Eine spannende und interessante Lektüre sowie einen erfolgreichen und gesunden Start ins Jahr 2002 wünscht Ihnen Ihr Herausgeber- und Redaktionsteam.

Thomas Beschorner, Matthias König, Olaf J. Schumann, Markus Breuer, Alexander Brink

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