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Band 14 Yvonne Thorhauer: Nonkonformistische Ethik Moralphilosophische Überlegungen zur Wirtschaftspraxis aus Sicht eines aufgeklärten Materialismus (2005) Die vorliegende Arbeit hat sich ein hohes Ziel gesetzt: Sie möchte die zent-ralen Schwächen der etablierten Ansätze der Wirtschaftsethik – zumindest im deutschsprachigen Raum – identifizieren und überwinden, indem sie ei-ne völlig andere Zugangsweise zur Ethik wählt. Unabhängig von der Frage, ob dieser Anspruch auch eingelöst werden kann, eröffnet die Untersuchung in jedem Fall interessante Perspektiven zur Behandlung wirtschaftsethischer Fragestellungen. Yvonne Thorhauer versucht, den herrschenden (vor allem philosophischen) Kanon in der Wirtschaftsethik aufzubrechen. Im Rahmen ihrer „nonkonformistischen“, auch als „aufgeklärten Materialismus“ be-zeichneten, Position knüpft sie an Autoren und Denklinien an, die in der Wirtschaftsethik und auch in der Ethik im Allgemeinen zwar nicht ganz ausgeblendet, aber doch weitgehend vernachlässigt werden: Schopenhauer, Nietzsche, Freud und die Kritische Theorie der Frankfurter Schule. Dabei – und das deutet die Auswahl der rezipierten Autoren auch an – konzent-riert sich Thorhauer vor allem auf individualethische Fragen. Ihre Haupt-skepsis gegenüber den tradierten Wirtschaftsethikansätzen bezieht sich ei-nerseits auf die zu starken Rationalitäts- und Vernunftkonzeptionen sowie andererseits auf die zunehmende Fokussierung auf Institutionenethik zur Steuerung komplexer Gesellschaften. Von der These geleitet, dass Menschen weder immer rational handeln – wie in der Ökonomie weithin theoretisch angenommen – noch sich einem all-gemeinen Vernunftprinzip unterwerfen lassen – worauf z. B.
eine kantisch geprägte Ethik abstelle –, untersucht Thorhauer, wie andere „spezifische Eigenschaften“ des Menschen in ein Ethikverständnis integriert werden können. Dazu gehören z. B. Affekte, Emotionen, Charakter, Lernen etc.
Zweifellos erteilt sie dem Egoismus eine Absage, jedoch könne dieser we-der durch ein zu enges Vernunftverständnis noch durch anreizbasierte In-stitutionen in seine Schranken gewiesen werden. Vielmehr geht es ihr dar-um, den
Menschen mit sich selbst zu konfrontieren, ihm einen Spiegel vor-zuhalten und seine eigene Kraft zu ethischem Handeln zu wecken. Auch wenn sie mit Schopenhauer, Nietzsche und Freud, deren Positionen sie ausführlich darlegt,
eine universalistische Ethikkonzeption ablehnt, vertritt sie jedoch weder einen ethischen Nihilismus noch einen Pessimismus. Vielmehr versucht sie, das von ihr diagnostizierte Scheitern einer Vernunft-ethik auch angesichts der
„machtvollen Eigendynamik“ der Wirtschaft po-sitiv zu wenden. In praktischer Hinsicht mündet dies auch in eine pädago-gische Aufgabe, nämlich „ein reflektiertes gleichwie gefühltes ethisches Be-wusstsein zu kultivieren“ und
somit die ganze Persönlichkeit in den Blick zu nehmen. Die Herausgeber
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