Band 2

Roman Jaich, Globalisierung und Partizipation (2001)

Die Publikation wirtschafts- und unternehmensethisch relevanter Arbeiten heißt, dass nicht immer unmittelbar die entsprechende Diskussion aufgegriffen werden muss, sondern dass im Rahmen dieser Reihe ebenso Themen behandelt werden können, die implizit ein wirtschaftsethisches Potenzial zeigen, das zur Auseinandersetzung anregt. Während Band 1 der sfwu (Olaf J. Schumann: Wirtschaftsethik und Radikaler Konstruktivismus, München Mering: Hampp, 2000) der ersten Gruppe zuzurechnen ist, gehört der vorliegende Band 2 von Roman Jaich eher zur zweiten Gruppe.

Jaich untersucht in seiner Dissertation die Auswirkungen der Globalisierung auf die Institutionen der Partizipation am Produktionsprozess, d. h. auf die Partizipationsformen der Arbeitnehmer. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass nicht in erster Linie die „reale“ Dimension der Globalisierung einen Wandel der Institutionen der Partzipation auslöst, sondern vor allem die Wahrnehmung bzw. Interpretation durch die Wirtschaftssubjekte mit ihren daraus resultierenden Handlungen. Um auf dieser Basis den institutionellen Wandel erklären zu können, biete weder die Neue Institutionenökonomik noch die Theorie des Systemwettbewerbs ein geeignetes Modell. Fruchtbarer ist für Jaich der synergetische Ansatz der Evolutorischen Ökonomik, mit dessen Hilfe der Wandel der Partizipation als selbstorganisatorischer Prozess erklärt werden kann. Der evolutorische Ansatz wird sodann auf die Theorie der Unternehmung angewendet und führt zu einem neuen Verständnis für die Existenz von Unternehmen. Anhand der Kategorien Widerspruch und Abwanderung untersucht Jaich die Genese sowie die – auch kulturell bedingte – Veränderung des Verhältnisses dieser beiden Mechanismen und macht die dadurch entstehenden Probleme, etwa die Bedrohung für die soziale Stabilität, deutlich. Die Schaffung der formellen Institution Europäischer Betriebsrat hält Jaich für den richtigen Weg, einigen dieser Probleme entgegenzuwirken; dieser müsse jedoch noch gestärkt werden.

Wirtschaftsethisch relevant ist diese Arbeit in mindestens zweierlei Hinsicht: Erstens entwickelt sie ein Modell zur Entstehung von Institutionen - ein Problem, das zu den klassischen Themen wirtschaftsethischer Ansätze gehört – und setzt hier mithilfe der kognitionstheoretisch orientierten Evolutorischen Ökonomik neue Impulse, und zwar sowohl auf makro- wie auf mikroökonomischer Ebene. Zweitens thematisiert sie das Problem der Partizipation, das für unternehmensethisch relevante Fragen sowohl nach der Gestaltung interner Arbeitsbeziehungen als auch beispielsweise nach den Kriterien der Standortwahl von Bedeutung ist.

Roman Jaich hat einige seiner Idee in einem Artikel der zfwu (Ausgabe 1/2001) formuliert, der, unter Verwendung des Links kostenlos bezogen werden kann.

 

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