Band 5

Matthias König, Diskursbezogene Unternehmensethik. Philosophische Begründung, vermittelnde Anwendung, Umsetzung (2003)

Vorwort der Herausgeber

Diskursbezogene unternehmensethische Ansätze sind seit vielen Jahren fester Bestandteil der Wirtschafts- und Unternehmensethik. Spätestens seit Peter Ulrichs Programm einer „Integrativen Wirtschaftsethik“ und dem damit verbundenen Versuch einer Überführung der (reinen) ökonomischen Vernunft in eine Vernunftethik des Wirtschaftens sowie der dialogischen Unternehmensethik von Horst Steinmann et al. zählt die Auseinandersetzung mit diskursethisch-orientierten Fragestellungen zum Inhalt (fast) jeder Arbeit in diesem Themengebiet. Man mag daher fragen, welcher neue Beitrag von der hier vorliegenden Dissertation „Diskursbezogene Unternehmensethik“ von Matthias König zu erwarten ist.

Matthias König ist es nach unserer Einschätzung in hervorragender Weise gelungen, das durchaus gut beforschte Feld diskursethischer Unternehmensethiken zu bereichern, indem er sich einer ausgesprochenen Leerstelle dieser Diskussion annimmt. Dem Autor geht es als gelerntem Betriebswirt weniger um einen weiteren Versuch der philosophischen Begründung ethischer Prinzipien, sondern vielmehr darum, diskursethische Ansätze für eine praktische Konzeption zu entwickeln. Dabei fällt gleichwohl die philosophische Begründung nicht in naiver Weise unter den Tisch, indem das „Dialogische“ blind auf Organisations- oder Managementkonzepte übertragen wird. Ganz im Gegenteil: König setzt sich über weite Strecken seines Buches intensiv mit den philosophischen Überlegungen von Jürgen Habermas und Karl-Otto Apel sowie mit den wirtschaftsethischen Ansätzen von Peter Ulrich und Horst Steinmann et al. auseinander, indem zum einen unterschiedliche Begründungsstrategien herausgearbeitet und auf dieser Grundlage zum anderen anwendungs- und umsetzungsorientierte Aspekte einer diskursbezogenen Unternehmensethik thematisiert werden. Dieses „Drei-Ebenen-Modell“ - Begründung, Anwendung, Umsetzung - stellt den systematischen Kern und die zentrale These der Arbeit dar: Philosophische Begründungen sind notwendig, so der Autor, um einer möglichen pragmatischen Entleerung des Ethischen entgegen zu wirken, die Ebene der (vermittelnden) Anwendung dient unter Zugrundelegung einer regulativen Idee der Hinführung zur Umsetzung und auf der Ebene der Umsetzung selbst entfaltet sich das praktische und aufklärerische Potential des Ansatzes für die Unternehmenspraxis. Dies wird anhand von Theorien der Organisationsentwicklung, Aspekten des organisationalen Lernens, modernen Managementansätzen sowie einer Unternehmens-Fallstudie vorgeführt.

Einer Veröffentlichung dieser Arbeit im Rahmen der „Schriftenreihe für Wirtschafts- und Unternehmensethik“ (sfwu) zuzustimmen, fiel uns nicht nur aufgrund der sehr gut gelungenen Bearbeitung der gewählten Fragestellung leicht. Wir freuen uns auch aus sehr persönlichen Gründen über das Erscheinen dieser Dissertation, denn mit ihr ist eine weitere gemeinsame Etappe der Zusammenarbeit mit dem Autor verbunden. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um Matthias König, Mitbegründer des Berliner Forums (1995), der Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik (zfwu) sowie dieser Schriftenreihe (beide seit 2000), im Namen aller „Forumianer“ für seine unermüdliche und weiterhin bestehende Arbeit zu danken. 

        Thomas Beschorner      Olaf J. Schumann